• Denise

Gewissheit

Aktualisiert: 10. Juli 2020


,,Es wird nichts sein, beruhig dich. Sie liegt nur einfach ganz doof’.

Es war Mittwoch-Nachmittag und normalerweise hat meine Frauenärztin geöffnet. Ich habe versucht anzurufen, aber leider hat die Praxis Osterurlaub.

Also habe ich die Wahl, aufgrund der Coronapandemie in ein Krankenhaus meiner Wahl zu fahren, alleine, oder mit Lisa nach Troisdorf zu fahren.

Dort ist sie Beleghebamme und darf mich zu den Untersuchungen begleiten.

Ich entschied mich dafür, mit Lisa nach Troisdorf zu fahren.

Dort angekommen hatte Lisa auf der Fahrt schon telefonisch alles geklärt, dass wir direkt in die Gynäkologische Ambulanz gehen konnten, um einen Ultraschall machen zu lassen.

Die Ärztin empfang mich herzlich, aber auch etwas hektisch. Sie erzählte Lisa, dass gerade drei Notfälle eingetroffen sind.

Sie fing an etwas hastig an über den Bauch zu schallen und wurde dann plötzlich deutlich ruhiger.

Ich schaute sie an und merkte, wie sich ihr Blick veränderte....

Meine kleine Maus war komplett zu sehen.

Ich sah ihr Herz, alle 4 Kammern und zählte:, 1, 2, 3 ...4, Alles gut.’’

Aber es pochte nicht. Es bewegte sich einfach nicht.

Ich starrte auf den Bildschirm während Lisa sich neben mich setzte und wortlos ihre Hand auf mein Bein lag. Ich wusste genau, was das bedeutete, aber ich wollte es nicht hören.

Ich suchte den Blick der Ärztin und merke wie ich anfing zu zittern. Sie erwiderte meinen Blick und ich sah, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten.

Hilflos schaute ich Lisa an. ,,Es tut mir so leid...’’, sagte sie und hielt mein Bein noch fester.

ich brach ich Tränen aus, krümmte mich und hielt meine Hände vor mein Gesicht:

,,Nein, bitte nicht.... Nein, nein, nein...Nein...Nein...’’!

Lisa weinte.

Die Ärztin weinte.

Nach einer Weile fing die Ärztin an weiter zu schallen und erklärte mir dabei wonach sie schaut und was sie sich anguckt.

Ich hörte ihr aber nicht mehr zu.

Eine weitere Ärztin kam dazu und schallte erneut.

,,Ich muss leider bestätigten, was meine Kollegin...’’, weiter hörte ich ihr nicht zu.

Ich hörte gar nicht mehr zu.

Ich Nahm Bruchstücke zum Thema Entbindung, Kaiserschnitt, Beerdigung, Coronamaßnahmen und Einleitung war. Aber ich wollte nur nach Hause. Man bat mir an direkt da zu bleiben, oder aber auch erst in einigen Tagen zu kommen, wenn ich seelisch so weit wäre.

Absolut nichts davon wollte ich ohne meinen Ehemann, dem Vater dieses kleinen Mädchens entscheiden und ich war sehr überfordert mit der ganzen Situation. Lisa hat das gemerkt und den Rest für mit abgefangen. Ich musste noch einige Unterschriften leisten und dann hat Lisa mich kurz im Flur warten lassen und den Rest mit den Ärzten geklärt. Um nichts weiter musste ich mich kümmern.

Lisa fuhr mich nach Hause und erklärte mir im Auto nochmal in Ruhe was für Optionen wir jetzt haben, wie es weiter gehen kann bzw. muss aber auch, dass wir uns Zeit nehmen können und Nichts von Alldem eilt, solange es mir körperlich noch gut ginge.

Sie gab mir das Gefühl selber entscheiden zu dürfen und das nahm viel Druck von mir.

Ich sollte ihr schreiben oder sie anrufen, egal wann, ob ich nach Troisdorf in das Krankenhaus möchte weil sie dann für dort alles fertig machen kann. Aber auch wenn nicht, sollte ich nur kurz bescheid geben.



Meine Familie saß bei meiner Schwester im Garten, wie so oft sonst auch.

Ich ging bewusst erst zu mir in die Wohnung nach Nebenan, legte meine Tasche ab, putzte meine laufende Nase und versuchte mich kurz zu sammeln.

Als ich rüber ging, merkte ich wie Alles und Jeder um mich herum verschwamm, und ich meinen Mann fokussieren musste.

Ich nahm meine Schwester wahr, die mich direkt erschrocken fragte:,, Oh Gott, was ist?!’’...

Aber ich ging an ihr vorbei und fiel meinem Mann in die Arme... ,, Sie hat es nicht geschafft,... sie ist tot...’’

Meine Mutter brach schreiend zusammen.

Meine Schwester fing an zu weinen.

Ich ignorierte alle anderen - nahm nur meine Schwester kurz in den Arm.

Ich nahm ihr meine Tochter ab und ging mit ihr und meinem Mann zu uns rüber. Wir weinten sehr viel zusammen und versuchten zu verstehen was gerade passiert war.

Mein Mann und ich waren uns in Allem einig!

Eine natürliche Geburt, wenn es möglich ist, kein Grab, dafür einen Baum, eine Kirschblüte die für ihren Geburtsmonat und für ihre Geburtsstadt steht, aber keine Bestattung.

Obduktion, ja unbedingt! Mutterschutz,... Steht er mir zu? Ich weiß es nicht.

Wir möchten, dass die Maus in dem geplanten Krankenhaus zur Welt kommt, in dem wir bei der Großen so zufrieden waren: das St. Elisabeth in Bonn.

Während ich die Große ins Bett brachte, rief mein Mann im Krankenhaus an um mich für den nächsten Morgen anzumelden und sagte meiner Hebamme Lisa bescheid.

Den Rest des Abends gingen wir alle möglichen Szenarien durch und weinten viel.

Ich habe kaum geschlafen.

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