• Denise

Ich habe Rosi gefunden....

Aktualisiert: 23. Okt 2020

Im Krankenhaus habe ich vor der Geburt sehr viel Papierkram mit dem Krankenhaus besprochen. Unter Anderem, ob die Maus obduziert werden soll, und wie sie bestattet werden soll. Sie wurde vor der Geburt sehr viel leichter geschätzt, und da das Krankenhaus noch nicht auf dem neusten Stand der Rechtslage war, wurde ich so automatisch als ,,Spätabort'' eingeordnet. So hatten wir die Wahl zwischen einen anonymen Sammelbestattung, einer Bestattung im Friedwald oder einer selbst organisierten Bestattung.


Mir war damals nicht bewusst, dass diese Entscheidung noch gravierende Folgen nach sich ziehen würde.


Nach der Geburt wurde der Status des ,,geborenen Fet'' umgeändert. Aus Einem Spätabort wurde eine anerkannte Totgeburt. Alle Formulare wurden abgeändert bzw mir noch erstellt, nur an dieses eine haben wir alle nicht gedacht.


Uns gefiel der Gedanke, dass Rosi mit vielen anderen Sternenkindern zusammen in einem Grab liegen würde. Wir stellen uns vor, dass sie, wo auch immer sie dann sein wird, mit all den Kindern zusammen spielen kann und niemals alleine ist.


Durch die aktuelle Corona-Situation sagte man uns aber, dass der sonst zuständige Bonner Nordfriedhof nicht in Frage kommt, da dort zur Zeit keine Bestattungen durchgeführt werden.


Wir entschieden uns für die Sammelbestattung. Man sagte uns, dass es einige Zeit dauern könnte, bis die Bestattung statt findet und wir bescheid bekommen. Wir können dann selber entscheiden ob wir an der Beisetzung teilnehmen wollen oder nicht. Zudem sagte man uns, es gäbe dann eine Art Gedenkgottesdienst zwei Mal im Jahr, in der krankenhauseigenen Kapelle. Es könne einige Wochen oder sogar Monate dauer, hieß es.... Also warteten wir...


4,5 Monate ist die Geburt nun her, und mein Bauchgefühl drängte mich dazu, im Krankenhaus nachzufragen wie der aktuelle Stand ist, bzw ob man mir schon sagen könne, wann die Bestattung sein wird. In diesem Zuge habe ich erfahren, dass unsere kleine Rosi bereits am 14. Mai auf dem Bonner Nordfriedhof anonym bestattet wurde. Auf nochmaliges Nachfragen warum wir nicht informiert wurden erhielt ich nur die Aussage, bei einer anonymen Bestattung sei es nicht üblich, dass die Eltern informiert werden.

Fakt ist, ich habe das so nicht unterschrieben. Fakt ist auch, ich kann daran nichts mehr ändern.




Es ist Freitag und auf dem Friedhof erreiche ich Niemanden mehr. Vielleicht war es sogar gut das Ganze eine Weile sacken zu lassen.

Montag früh erreichte ich direkt Jemanden auf dem Nordfriedhof. Der nette Mann vereinbarte einen Termin mit mir am selbigen Tag.

Er suchte mir raus, wo genau meine Tochter liegt und erzählt mir etwas über das Denkmal, was vor einigen Jahren dort für die Sternenkinder errichtet wurde, und dass ich Rosi dort auch noch verewige kann, egal wann.


Ich ging zum sog. ,,neuen Sternenkindergarten'' und fand ihr Grab auch direkt. Viele Gräber waren bunt und mit sehr viel Liebe gestaltet. Es brannten viele Kerzen und überall waren frische Blumen auf den Gräbern. Und Rosis Grab? ... Dort fand ich nur einen Haufen Erde... und Unkraut...


Es gab eine Sache, die wir für Rosi auf keinen Fall wollten: ein eigenes Grab, welches irgendwann verwahrlost. Und genau das ist nun eingetreten..... Ich kann nicht sagen welche Emotion darüber überwiegt, Trauer oder Wut.



Ich ging zurück zur Friedhofsverwaltung und konnte noch einige Fragen klären:

- Ja, sie liegt dort alleine.

- Es war eine anonyme Bestattung, sie wurde also ganz alleine Beigesetzt.

- Selbstverständlich hätten wir dabei sein dürfen, das ist sogar üblich so....

- Das Grab muss so nicht bleiben, wir haben die freie Wahl, was mit diesem Grab geschehen soll.



- Wir lasse sie dort liegen und lassen ihren Namen in die Gedenkstätte gravieren.

- Wir lassen sie dort liegen und gestalten ein Grab, egal in welcher Form

- Wir lassen sie umbetten, in den Friedwald oder zu uns auf den Friedhof.

- Wir kaufen ein Urnengrab bei uns auf dem Friedhof, und werden irgendwann bei ihr liegen.

- Wir fragen meine Familie, ob wir sie in das Urnengrab meiner Großeltern umbetten lassen dürfen.




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