• Denise

Wie viele Kinder hast du?

Aktualisiert: 17. Sept 2020




Ja, wie viele Kinder habe ich denn nun?

Was trage ich im Lebenslauf ein?

Was antworte ich, wenn Jemand fragt, wie viele Kinder ich habe?




Du hast gelebt Rosi. Du hast 7 Monate unter meinem Herzen gelebt, bis du gestorben bist. Dein Papa hat dich gespürt und deine Schwester hat mit dir geredet und dich gestreichelt.

Du warst da, bist es aber nicht mehr.

Trotzdem bist du mein Kind.



Du hast eine Geburtsurkunde, aber gleichzeitig auch eine Sterbeurkunde.

Du hast deine Spuren an mir hinterlassen, aber auch eine Gedenkstätte.

Du hast gelebt, und bist gestorben.


Ich habe zwei Töchter.



Aber jedes Mal, wenn Jemand fragt:

,,Und, wie viele Kinder hat du?'',

fange ich an zu überlegen. Wenn ich sage ,,Zwei!'', folgt die Frage:,, Ach wie schön, und wie alt?''... Und dann geht es schon los... Ein Smalltalk wird plötzlich zu einem sehr unangenehmen Gespräch, für beide Seiten! Ich glaube sogar, dass es für Denjenigen, der jetzt mit mir in dieser misslichen Lage steckt noch unangenehmer ist als für mich. Ich bin ja nun etwa geübter.

Wenn mir Jemand eigentlich Fremdes etwas sagt wie:,, Meine zweite Tochter kam tot zur Welt'' oder ,,Eine Tochter auf Erden, eine Tochter im Himmel'' ist man ja gezwungen zu reagieren.

Und das ist immer unfassbar schwierig! Was kann man denn passendes sagen?

Freunde, ich sage euch: es gibt keine richtige Antwort.

Ich versuche immer recht schnell die Menschen wieder aus dieser Lage zu führen und unterbreche mit: ,,Hey ist schon gut, man kann nichts richtiges darauf antworten. Keine Sorge, wir haben das gut verarbeitet. Erzähl mal von dir....''


Zwar habe ich dann sofort den ,,Die mit dem toten Kind''-Stempel auf der Stirn, aber dann meiden die meisten Menschen auch dieses Thema, wenn es für sie unangenehm ist.



Einige Mutige schaffen es dennoch mich gezielt anzusprechen. Gerade, wenn man mich lange nicht gesehen hat.

Das ist (für mich) sogar der einfachste Weg bisher. Es gibt tatsächlich so ehrliche Menschen die direkt mit der Türe ins Haus fallen und fragen:


,,Denise, ich weiß überhaupt nicht was richtig ist...

spricht man das jetzt an oder lieber nicht?''

,,Möchtest du darüber reden?''

,,Darf ich dich Etwas dazu fragen...?''


Und ja, ich beantworte Jedem gerne seine Fragen und gehe auch mit den intimsten Dingen der Geburt sehr offen um. Aber ich kann Niemandem sagen wie man grundsätzlich mit Sterneneltern umgehen soll oder was der pauschal richtige Weg ist. Den gibt es nicht.

Mir persönlich ist es lieber, selber offen mit den Menschen sprechen zu können, die es interessiert oder Redebedarf haben, als das man meine Liebsten hinter meinem Rücken darüber ausfragt.

Aber wie ist das bei fremden Personen? .... Schwierig.

Oft gehe ich dann doch den einfachsten Weg und antworte einfach mit:

,,Ja, ich habe eine Tochter...''.


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